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Ratgeber · Souveränität

Cybersecurity Made in Europe: Was steckt wirklich dahinter?

„Europäisch“, „souverän“, „DSGVO-konform“ – solche Label sind beliebt, aber nicht geschützt. Dieser Beitrag ordnet die Begriffe kritisch ein und zeigt, woran Sie echte Substanz erkennen.

„Cybersecurity Made in Europe“ klingt vertrauenswürdig – und wird deshalb gerne als Marketingargument verwendet. Doch der Begriff ist rechtlich nicht geschützt. Ein Aufkleber allein sagt wenig darüber aus, wo entwickelt wird, wem ein Hersteller gehört und welchem Recht er unterliegt.

Was bedeutet „Made in Europe“ überhaupt?

Der Anspruch dahinter ist berechtigt: digitale Souveränität, kurze Rechtswege, europäischer Datenschutz. Entscheidend ist aber, ob ein Anbieter diesen Anspruch auch einlöst. Ein in den USA börsennotiertes Unternehmen mit einem Entwicklungsstandort in Europa ist etwas anderes als ein Hersteller, der vollständig dem europäischen Rechtsraum unterliegt.

Die europäische Herstellerlandschaft

Europa hat eine ernstzunehmende Sicherheitsindustrie. Im Firewall- und Netzwerkumfeld zählen dazu etwa Stormshield (Frankreich, Airbus-Umfeld), genua und LANCOM sowie Rohde & Schwarz Cybersecurity (Deutschland); im weiteren Sicherheitsmarkt z. B. ESET (Slowakei). Die Stärke liegt oft weniger im reinen Funktionsumfang als in Herkunft, Zertifizierung und Vertrauenswürdigkeit der Lieferkette.

Mehr als ein Label: Standards & Datenschutz

Der belegbare Kern hinter „Made in Europe“ sind Rechtsraum und Nachweise: Anbieter, die vollständig europäischem Recht unterliegen, können nicht über Gesetze wie den US CLOUD Act zur Datenherausgabe an Drittstaaten gezwungen werden. Kombiniert mit DSGVO-Konformität und unabhängigen Zertifizierungen (Common Criteria, ANSSI, BSI) wird aus dem Label ein überprüfbares Argument.

So erkennen Sie echte Substanz

Statt dem Label zu vertrauen, prüfen Sie vier Kriterien:

Entwicklungsstandort

Wird das Produkt tatsächlich in Europa entwickelt – oder nur vertrieben?

Eigentum & Rechtsraum

Wem gehört der Hersteller, welchem Recht unterliegt er (z. B. EU vs. US CLOUD Act)?

Datenflüsse

Wohin fließen Telemetrie-, Update- und Management-Daten? Bleiben sie in der EU?

Zertifizierungen

Gibt es unabhängige europäische Nachweise (Common Criteria, ANSSI, BSI)?

Unser Fazit: „Made in Europe“ ist ein sinnvolles Kriterium – aber kein Selbstläufer. Lassen Sie sich die Aussagen belegen, und gewichten Sie Souveränität als einen Faktor neben Technik, Zertifizierung und einem verlässlichen Betrieb.

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